Soll mein Kind in den Ferien Lernen?

von | Aug 3, 2019 | Lernen

Lernräume
Integrative Lerntherapie – Dr. Dina Beneken

Fit in den Grundkompetenzen –
selbstbewusst in der Schule

Mein Kind soll in den Ferien nicht lernen. Es soll sich entspannen. Wie kannst Du Dein Kind nur in den Ferien Lernen lassen? Aber die Kinder vergessen doch sonst wieder alles! Wenn mein Kind nicht in den Ferien übt, können wir im nächsten Schuljahr wieder bei Null anfangen….

Lernen in den Ferien – ein kontrovers diskutiertes und polarisierendes Thema. Man hört praktisch nur die extremen Meinungen zwischen ganz oder gar nicht.

Kann man denn überhaupt „nicht Lernen“?

Nö. Wir alle lernen immer und überall. Das Gehirn ist zum Lernen gemacht. Es ist quasi ein Job, der sich nicht ausschalten lässt. Das Herz macht ja auch nicht mal ein paar Wochen Pause.

„Lernen“ als Ausdruck für „am Tisch sitzen“

Besonders im beruflichen Alltag als Lerntherapeutin erlebe ich es immer wieder: Als „Lernen“ wird etwas empfunden, bei dem das Kind am Tisch sitzt und dabei ein Arbeitsheft oder -Blatt mehr oder weniger abarbeitet. Lernen wird als lästige Pflicht empfunden.

Sollte man das in den Ferien machen? Nein.
Sollte man das außerhalb der Ferien machen? Nein.

Lernen ist so viel mehr als Arbeitsblätter, Arbeitshefte und stumpfes wiederholen. Man kann sich dem Lernen ja gar nicht entziehen. Selbst wenn man am Strand in der Sonne liegt und dem Wind lauscht, ist das Gehirn in Dauerbewegung.

Neulich in der SBahn

Hörte ich diesen Satz, als sich zwei Mütter unterhielten:
„In den Ferien lernen wir nicht. Marie* (Name geändert) liest nur jeden Tag ein bisschen. Sie ist sonst einfach zu weit hintendran mit dem Lesen für die dritte Klasse.“

Interessant. Lesen ist nicht Lernen, nicht üben? Wieso sieht die Mutter das so? Weil sie weiß, das Lesen eine sehr wichtige Grundkompetenz ist? Weil sie ihrer Tochter das Lesen üben entsprechend schmackhaft machen kann?
Oder weil „Lernen“ oft mit „fremdbestimmt“ gleichgesetzt wird?

Also was nun – soll man in den Ferien Lernen?

Aber ja! Die Ferien sind der ideale Zeitpunkt, um Deinem Kind zu zeigen, wie Lernen gehen kann. Wie man ohne Druck, selbstbestimmt und  mit ganz anderen Methoden die Fähigkeiten erwerben kann, die man möchte.

Wo fängt Lernen an?

Beim Ferienschwimmkurs? Beim Ausflug in das Mitmachmuseum? Ist Klettern in den Bäumen nicht auch irgendwie Lernen? Wenn mein Kind in den Skikurs geht während ich arbeite, lernt es da? Wenn mein Kind während der Schulzeit völlig überfordert ist und einfach nichts nachholen kann, ist es dann nicht besser, ich übe mit ihm entspannt wärend der Ferienzeit?

Alternativen zum Arbeitsblatt

Das ist eigentlich eine völlig falsche Überschrift. Durch unser Schulsystem drängt sich ein völlig falsches Bild vom „Lernen“ auf. Die Trennung von „Lernen“ und „Spiel“ ist, wage ich zu behaupten, eine künstlich gesetzte. Wir sprechen von Lernen, sobald es mühsam und anstrengend wird, wobei Spielen den Beigeschmack von Leichtigkeit und ständiger Freude hat.

Andere Wege zum Lernen:

  • (Lern)spiele
  • In Bewegung lernen
  • Ortswechsel

Lernen == Ernst, Spielen == Spaß?

Beobachtet mal Kinder beim Spiel. Das ist nicht selten alles andere als reine Freude. Mit großem Ernst wird gefühlt 1000 mal eine Handlung wiederholt (vergleiche: 1*1 auswendiglernen vs. Kaufmannsladen spielen), Regeln untereinander ausgefochten und Enttäuschungen verarbeitet. Auch spielende Kinder können bitter frustiert sein, wenn das Spiel nicht so funktioniert, wie sie es sich vorstellen. Das halten wir als Eltern aus. Warum? Weil es normal ist. Weil es zum Lernprozess dazugehört. Weil wir uns selbstverständlich wünschen, dass Kinder eine Frustrationstoleranz lernen.

Wenn ein Kind frustriert ist, weil es ein Arbeitsblatt nicht richtig ausgefüllt hat, ist das nichts anderes. Auch das können wir aushalten und begleiten.

Kontraproduktives Verhalten beim Lernen (nicht nur in den Ferien)

„So Kind, komm her, wir müssen jetzt noch was für die Schule machen.“

Ja, da bleibt natürlich bei jedem Kind und Lernpartner der Platz für den Spaß von Anfang an leer.

Lernen ist, was Du daraus machst. Ein Spaß? Ein Abenteuer? EIne Pflicht? Eine Chance für Dein Kind?

Und wenn man mal selber keine Ideen hast, wie das geht – Lernen mit Freude?

Das wäre so schön, aber Du hast ja nicht Lehramt studiert? Mußt Du nicht. Eltern sind die Lehrer ihrer Kinder, seit Geburt, und selbstverständlich kannst Du Deinem Kind auch den Schulstoff erklären. Wenn Du Dich mit anderen Eltern austauschen möchtest, Ideen sammeln willst oder Fragen zum Schulstoff hast (denn den kann man nun wirklich nicht komplett im Kopf haben!) dann komm gerne in meine Gruppe. Dort beantworte ich Deine Fragen zum „anders Lernen“ – jenseits von Arbeitsblatt und co.

Manchmal macht es Sinn, Lücken zu füllen

Kinder, die in der Schule größere Schwierigkeiten haben, haben in den Ferien oft eine einmalige Chance: Ohne Druck und ohne sonstige Verpflichtungen den Stoff aufzuholen, den sie verpasst haben. In ihrem Tempo, und vielleicht endlich mal mit anderen Methoden als Arbeitsblättern.

Ferien bieten die Chance, dort anzusetzen, wo das Kind steht und durch intensives trainieren Erfolgserelebnisse zu ermöglichen, die sonst so schnell nicht möglich wären.

Auf Bäume klettern darf man trotzdem – oder sogar währenddessen?

Warum nicht im Baumhaus Lesen üben, Mathe im Freibad oder Schreiben am Strand?

Unbedingt zu beachten beim Lernen (nicht nur in den Ferien)

Das Lernen in den Ferien gelingt, wenn:

🌊 die Regeln klar sind
🌊 klare Zeiten festgelegt werden (maximal 30 Minuten) ODER
🌊 „unthematisiertes Lernen“ durch Spiele, Museumsbesuche… stattfindet
🌊 das Kind mitentscheiden kann und
🌊 klar ist, warum welches Thema bearbeitet wird.
🌊 der Hauptteil des Tages frei ist und bleibt.
🌊 kein Leistungsdruck ausgeübt wird

Es hat sich bewährt, von 6 Wochen Sommerferien 2-3 komplett „schulfrei“ zu gestalten. Jenachdem wieviel ein Kind aufholen sollte, sind die letzten 2 Ferienwochen prima zum Wiedereinstieg.

Einstellungssache

Welche Einstellung hast Du selbst zum Thema „Lernen“? Wie würdest Du Dir wünschen, dass Dein Kind lernen darf? Wäre es nicht ein guter Zeitpunkt, Deinem Kind solche Lernerfahrungen zu ermöglichen?
Was denkst Du, hört Dein Kind, wenn Du ihm sagst dass es „nicht lernen muß, sondern Spaß haben darf“? Was wird das Kind denken, wie Du zum Lernen stehst? Welche Einstellung möchtest Du Deinem Kind vermitteln?

Tipps zum „anders Lernen“

Anders Lernen ist oft schon mit ganz einfachen Ideen machbar. Weg vom Tisch, runter auf den Boden. Im Wald, auf Bäumen, auf dem Balkon.

Ein Lernspiel zum Thema spielen, Bewegungsspiele, Museumsbesuche, Gemeinsam kochen/ backen und dabei das Rezept lesen, Einkauflisten oder Wunschzettel schreiben lassen, den Kassenbon nachrechnen…..

Und ja, machmal kommt man um den „Tisch“ nicht herum. Ist das eine Katastrophe? Nein. Auch das Lernen am Tisch und sogar mit Arbeitsblatt kann man schön gestalten. Macht es euch gemütlich, stellt einen Timer und los gehts. Und danach ein Eis 🍦.

 

Weiterlesen?

Hier kannst Du lesen, wie Kinder das Lesen lernen.

Wenn Dir Fragen zu Rechenschwierigkeiten auf der Seele liegen, gibt es hier mehr Informationen.

Interessant ist auch, wie schnell ein Kind eigentlich lesen sollte und warum das so ist. 

 

Dieser Blog ist werbefrei. Warum ist das so? Möchtest Du meine Arbeit unterstützen? Dann klicke hier.