Lerntherapie Dr. Dina Beneken

Lernplan für Kinder: Abläufe und Aufgaben klar darstellen

von | Jan 18, 2021 | Konzentration, Lernen, Motivation

Dein Kind hat zwar einen groben Lernplan, die Aufgaben erscheinen klar und trotzdem verzettelt es sich immer wieder. Es arbeitet weit länger oder kürzer als es nötig wäre, fragt ständig „Wie lange dauert es noch?“ oder wartet auf den nächsten Termin im Onlineunterricht. Dein Kind kommt mit dem vorgegebenen Lernplan nicht zurecht, kann nicht flexibel reagieren oder sich nicht eigenständig planen?
Mit diesem Beitrag möchte ich Dir Impulse geben, an welchen Punkten Du ansetzen kannst, um den Lernplan für Dein Kind optimal anzupassen. Damit Dein Kind ihn versteht und die Planung für sich selbst übernehmen kann – so lernt es Schritt für Schritt, seine Lernzeit ganz nach seinen Bedürfnissen selbst zu strukturieren.

Zeitgefühl: Ab wann?

Das Zeitgefühl ist wie vieles im Leben eine Frage der Entwicklung. Es kommt früher oder später und ist meist auch im Erwachsenenalter noch sehr abhängig von der ausgeübten Tätigkeit. 10 Minuten Kopfrechnen fühlt sich für Dein Kind viel länger an als 30 Minuten Video schauen. Ist klar.

Abhilfe: Möglichkeiten der Visualisierung im Lernplan schafft Kapazitäten für andere Dinge

Praktisch allen Kindern ist es eine große Hilfe, wenn die zeitliche Struktur klar ist. Was kommt nach dieser Aufgabe, wie lange dauert meine jetzige Aufgabe noch, wann geht es weiter – das alles gibt Sicherheit für den Ablauf und entlastet das Gehirn von genau diesen Gedanken.

Abläufe kennen spart Energie, die für Lernen genutzt werden kann.

Wenn der Ablauf klar ist, muss sich Dein Kind keine Gedanken mehr darum machen. Deshalb hilft diese Klarheit gerade Kindern mit Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren oder mit Schwierigkeiten in bestimmten Fächern. Dadurch wird die (Selbst)organisation vereinfacht wird. Das Gehirn kann diese Unsicherheit dann ausblenden und sich um die Inhalte kümmern, statt Antworten zu suchen.
In der Schule gibt es in der Regel genau solche visualisierten Abläufe vorne an der Tafel oder einem Whiteboard an der Wand, damit die Kinder sich orientieren können. Zuhause kannst Du das aber auch einfach zur Verfügung stellen.

Wie kannst Du Dein Kind zuhause beim Planen unterstützen?

Das große Stichwort ist : Sicherheit. In diesem Fall: Planungssicherheit. Mit folgenden Punkten hilfst Du Deinem Kind, die Organisation zu verstehen und nach und nach auch selbst zu übernehmen, indem Du es in die Planung und Durchführung mit einbeziehst.

Planung der Lernzeit an einer Wand
  • den Lernplan gemeinsam machen: was steht an diesem Tag an?
    Oben im Bild siehst Du unser „Lernzeitboard“ – im Prinzip nichts anderes als ein angepasstes Kanban-Board. Links gibt es noch einen „Arbeitsspeicher“ (nicht im Bild) und ganz rechts noch eine Abteilung für „hier brauche ich Hilfe“ – wenn im Homeschooling nicht immer alles glatt läuft, aber gerade kein helfender Erwachsener zur Hand ist.
  • diesen Plan besprechen.
    Du musst keinen Morgen/ Mittagskreis nachbauen 😉 es reicht, wenn Du Dir zu Beginn der Lernzeit mit Deinem Kind 5 Minuten Zeit nimmst und den Plan besprichst. Ist er realistisch? Wieviel Zeit ist für welche Tätigkeit eingeplant? Wann gilt die Tätigkeit als beendet?
  • die aktuelle Tätigkeit immer vor Augen haben: „in den nächsten 30 Minuten bearbeite ich dieses Kapitel…“. Im obigen Plan wären das die Aufgaben in der Mitte (unter „Läuft!“. Gefiel uns besser als „doing“. Seid kreativ 🙂 ).

Ideenpool für motivierende Lernpläne für Grundschulkinder

Oben siehst Du eine simple Variante der Aufgabenplanung, die häufig super funktioniert. Manchmal ist es aber hilfreich, zusätzliche Hilfen einzuführen, damit Dein Kind sich mit der Planung leichter tut. Wenn Dein Kind wirklich alles rund um die Planung versteht, wird es beginnen, sich selbst zu planen.

Hier ist es sehr hilfreich, das auch zuzulassen, so bizarr einem die Ideen (bezüglich Uhrzeiten, Methoden, Räume) des Nachwuchses vorkommen möchten. Man lernt nur durch eigene Fehler – und oft funktionieren die Pläne der Kinder erstaunlich gut.

Zeitabläufe visualisieren

Worauf solltest Du bei Zeitmessern/ Weckern achten? Sie sollten:

  • möglichst nicht laut ticken.
  • wenig Ablenkung bieten.
  • klar zeigen, wieviel Zeit noch übrig ist ODER
  • genau das nicht zeigen, jenachdem was Dein Kind benötigt.
Verschiedene Zeitmesser. die sich bewährt haben

Wir haben ziemlich viele Zeitmesser probiert. Am Ende bin ich bei TimeTimer hängengeblieben, sie ticken nicht (bzw. manche nur sehr leise, je nach Modell) und haben eine sehr klare Darstellung der verbleibenden Zeitspanne (oben links). Der Timer auf dem Foto tickt recht laut, diesen nutze ich, wenn ich Kindern die Zeit auch hörbar spürbar machen möchte. Die Situation dafür sollte eher ein lockeres Spiel sein oder das Warten auf ein freudiges Ereignis („in 5 Minuten…“).

Zeitampeln zeigen mit einem Farbsystem an, wann es „eng“ wird. Das setzt manche Kinder sehr unter Druck, anderen hilft es, noch die letzten Korrekturen zu machen. Achte darauf, dass Du einstellen kannst, aber welcher Zeit die Ampel auf „gelb“ springt, denn auch hier brauchen Kinder unterschiedliche Vorwarnzeiten.

Manche Kinder stört es zu sehen, wie die Zeit rückwärts läuft. In diesem Fall ist ein Zeitwürfel spannend. Diesen hier kann man auf eine bestimmte Zeit einstellen, er pieps angenehm leise, wenn die Zeit abgelaufen ist (oder blinkt nur). Wer mag, kann ihn so zu sich hindrehen, dass er sieht, wie die Minuten heruntergezählt werden, wer das nicht sehen kann, dreht ihn einfach in die andere Richtung.

Arbeitsabläufe und Aufgaben im Lernplan visualisieren

Mit Pictogrammen hilfst Du Deinem Kind, die Aufgabe direkt visuell zu erfassen. Damit schaltest Du quasi den Zwischenschritt „lesen und interpretieren“ aus. Nicht nur für die Jüngsten ist das eine große Erleichterung. Symbolsammlungen gibt es viele, für die Grundschule mag ich:

Metacomsymbole (kostenpflichtig, aber unfassbar viele Zeichnungen, sehr klar in der Aussage und ansprechend für jüngere Kinder) sind vielseitig einsetzbar. Ursprünglich wurden sie für die unterstützte Kommunikation (UK) entwickelt. Sie helfen aber allen Schülern, weil sie durch die optische Klarheit viel „Übersetzungsarbeit“ von Schrift zur Aufgabe abnehmen. Hier ist ein Beispiel für einen Plan eines jüngeren Kindes in der 1. Klasse. Sie liegen auf dem Tisch des Kindes, sodass es sie griffbereit hat. Andere mögen sie lieber an einer Pinnwand – das ist jedem überlassen.

Eine rein visuelle Darstellung erleichtert das Abarbeiten

Pictogenda bietet einen Kalender mit Pictogrammen an, die man auch einzeln als Aufkleber bestellen kann. Dort kann man auch Blanko-Etiketten bestellen und mit dem kostenlos erhältlichen Symbolen selbst gestalten und drucken. Die Symbole sind eher für ältere Kinder und Erwachsene geeignet. Es gibt sie auch in Kombination mit einem Kalender, den man als Schulplaner nutzen kann. Seit 2021 arbeitet Pictogenda auch teilweise mit Metacomsymbolen – eine gelungene Kombination.

Pictogramme erleichtern die schnelle Erfassung der Aufgaben

Tomtag bietet eine flexible Lösung für unterwegs an- Du kannst entweder den Tagesablauf, den Stundenplan oder den Arbeitsablauf im Detail sichtbar machen.

mit Tomtag

Zeiten im Lernplan darstellen

Zeiten kannst Du mithilfe eines Uhrenstempels in den Plan einbauen. Es gibt inzwischen auch Haftnotizen (Verlag „kleine Wege“) mit Blanko-Uhren, diesen kannst Du im Planungsboard verwenden. Oder Du schreibst die Uhrzeiten einfach mit auf den entsprechenden Zettel.
Manchmal hilft es auch, die konkrete Dauer zu visualisieren (20 Minuten statt „von 11:00 Uhr – 11:20 Uhr“) indem man nicht die Uhrzeit aufschreibt, sondern die Dauer in einer Farbe markiert, ähnlich dem System des Time Timers.

Haftnotizen mit Uhrzeit

Beispiel für einen individuellen Lernplan im Distanzunterricht

Hier siehst Du als Beispiel einen Auswahlbalken. Es gibt ihn in unterschiedlichen Versionen (mit und ohne Magnet links, mit einem oder mehreren Klappringen für Einsteckkarten). Ich finde diese hier praktisch für Schulkinder. Links ist eine magnetische Fläche, an der entweder ein Timer oder etwas anderes mit einem Magneten befestigt werden kann. In das Ringbuch lässt sich jeder Ablauf nach Bedarf eintragen. Wenn man eine Aufgabe erledigt hat, klappt man sie einfach nach hinten.

In Videokonferenzen lässt sich das System nutzen, um die Stillarbeit zu strukturieren. Wenn sich die Klasse in 20 Minuten wieder trifft, erspart ein Timer dem Kind den ständigen Blick auf die Uhr. Es kann sich voll auf seine Arbeit konzentrieren und sieht bei Unsicherheit sofort, ob es den Rechner wieder aufklappen soll oder noch Zeit hat.

Ablaufbalken mit flüsterleisem digitalen Timer

Immer mit der Ruhe: Planung braucht Übung

Gib Deinem Kind Zeit und die Chance, sein optimales Planungssystem zu finden. Das kann dauern. Was für Dich gut funktioniert, muss nicht für Dein Kind funktionieren. Deine idealen Arbeitszeiten müssen nicht für Dein Kind gut passen. Je eigenständiger Dein Kind sich organisieren kann, desto eher wird es aus seinen Ideen lernen können: Was war gut, was war schlecht? Was könnte ich ändern?

In die Reflektion zu kommen, Zeit dafür zu haben und bewusst darüber nachzudenken ist der erste Schritt.

Wenn Du das mit Deinem Kind gemeinsam angehen möchtest: In Lernen ohne Drama – das Lernkompetenztraining begleite ich Dich schrittweise dabei. Komm gerne dazu, Du kannst jederzeit starten. Ich freue mich auf Dich.

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