Wenn Dein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Rahmen der Inklusion an einer Regelschule unterrichtet wird, stellen sich Dir viele Fragen. Und viele neue Anforderungen an Deine Lehrerqualitäten, mit denen Du so nicht gerechnet hast.

Dein Kind hat Schwierigkeiten, dem Schulstoff im Tempo seiner Klasse zu folgen? Es hat zwar Anspruch auf einzelne Förderstunden, aber diese fallen wegen Personalmangel oder anderen Gründen ständig aus? Oder sie finden statt, aber Dein Kind hat zu dieser Zeit einfach keine Kapazitäten frei, um dem Unterricht zu folgen?

Besondere Herausforderung Regelschule

Lehrer an der Regelschule sind häufig nicht gut genug auf das Thema Inklusion vorbereitet. Sie haben eine Klasse, in der viele unterschiedliche Kinder mit unterschiedlichen Förderbedarf sitzen. Es gibt in den wenigsten Klassen zusätzliche Fachkräfte. Irgendwann stellst Du fest, dass die Unterstützung Deines Kindes in diesem Schulsystem durchaus besser sein könnte. Selbst wenn alle Beteilgten ihr Bestes geben – Dein Kind hat einen besonderen Bedarf und benötigt andere Lerntechniken als vermeintlich normale Kinder. Selbst unter idealen Bedingungen bleibt für Dich immer ein Mehraufwand beim Lernen  mit Deinem Kind.

Entscheidung für das Regelschulsystem

Wenn man sich für eine Regelschule entscheidet, bedeutet das auch, dass man die individuelle Entwicklung seines Kindes in großen Teilen selbst begleitet. Hier ist das Kind eben eines von vielen, es ist im Rahmen der Inklusion „dabei“, aber es wird nicht in besonderem Maße individuell (nicht so wie auf einer Förderschule) gefördert. Das hat viele Vorteile und einige Nachteile.

Erfolgsfaktoren

Meine persönliche Erfahrung mit einem Kind mit Förderbedarf in der Regelschule: Je besser die Erwachsenen miteinander kommunizieren, desto größer die Chance für ein Kind, sich zu entwickeln. Ich kenne eine Mutter, die bisher sehr großes Glück hatte. Eine Schulleitung, die das Kind wohlwollend aufgenommen hat. Eine unfaßbar herzliche, hilfreiche und unterstützende Schulbegleitung, mit der eine intensive Zusammenarbeit möglich ist. Klassenlehrer, die bereit sind, mit der Mutter zusammenzuarbeiten. Sehr gute Vorrausetzungen für ein Kind.

Der Blick auf das Kind

In einem solchen System aus Eltern, Lehrern, Förderpädagogen und Ämtern ist es normal, dass es immer mal wieder zu Krisen kommt. Jeder hat etwas andere Interessen, Ansichten und Ziele. Wenn ihr es schafft, in diesem Wirrwarr den Blick auf das Kind zu behalten, dann ist ein großer Schritt getan. Das setzt vor allem unter den Erwachsenen manchmal eine große Portion Kommunikationstalent vorraus. Mit Glück habt ihr jemanden, der Krisen managen kann in der Gruppe. Ansonsten lohnt es sich, in diese Kompetenz zu investieren – man muß einfach miteinander auskommen.

Lernen mit besonderen Bedingungen

Kinder mit Förderbedarf haben besondere Bedingungen. Gerade diese Kinder müssen häufig mehr leisten als ihre Altersgenossen, die ohne Schwierigkeiten in der Schule lernen können.

Oft bleibt zwangsläufig davon viel am Elternhaus hängen. Wer sollte es sonst leisten? Kinder, deren Terminkalender voll ist, weil sie Therapien machen müssen und dazu noch Lernprobleme haben – eine besondere Herausforderung für die Eltern, wenn es um das Lernen geht. Wie schön wäre es, wenn man sich nur darüber aufregen müsste, dass das Kind die Hausaufgaben nicht beginnt. Aber dann geht es ja erst los – Wenn Dein Kind endlich beginnt (und andere Eltern endlich aufatmen können), geht es bei euch erst richtig los.

Du bist nicht nur Hausaufgabenbetreuer, Du bringst Deinem Kind den Stoff aktiv bei

So ist es, da hilft kein drumrumreden. Was Dein Kind in der Schule nicht lernt, wird es entweder mit Dir lernen oder sehr viel später oder gar nicht. Nun hast Du höchstwahrscheinlich nicht gelernt, wie man mit Kindern lernt, sondern hast einen anderen Beruf. Was also tun? Wie geht man vor? Wie bin ich ein guter Lehrer, wie finde ich meine Rolle zwischen Lehrer und Mutter/ Vater, welche Möglichkeiten gibt es für mein Kind? Ständig neue Fragen und nebenbei jonglierst Du mit dem System.

Wenn alles an Dir hängt, ist es wichtig, dass Du auf Deine Kapazitäten achtest. Was kann Dich sinnvoll entlasten? Was kannst Du abgeben, um was willst oder mußt Du Dich selbst kümmern?

Ich bleibe in diesem Beitrag beim Thema wie Du das Lernen mit Deinem Kind wuppen kannst. Alles andere würde den Rahmen sprengen.

Erste Hilfe zur Entlastung

Die Schulbücher kaufen

Wenn Dein Kind seine Bücher immer unter der Bank hat (was gut für seinen Rücken ist!), besorge Dir diese Bücher ein zweites Mal für zuhause. Dort steht oft beschrieben, nach welchem System Dein Kind etwas lernt und es erspart Dir mühseliges Recherchieren im Internet. Je nach Temperament des Kindes kann es auch sinnvoll sein, die Arbeitshefte zweimal zu kaufen. Am Ende des Tages ist es nervenschonender, zuhause schnell eine Kopie der Hausaufgabe zu machen, wenn das Heft aus Versehen nicht mit nach Hause genommen wurde, als hinter Klassenkameraden herzutelefonieren oder es auf den nächsten Tag zu verschieben. Bücher und Arbeitshefte kann man am Ende des Jahres wieder verkaufen.

Einen Lern/Förderplan erstellen

Idealerweise kannst Du Dich mit der Lehrkraft Deines Kindes zusammensetzen und eine Liste erstellen: Was sind die nächsten Lernschritte? Wie können wir das Kind dabei unterstützen? Vielleicht hat die Lehrkraft sogar Ideen, mit welchem Material das geht. Hat sie keine oder mußt Du alles alleine machen, kannst Du Dir auch Hilfe holen und einen Lerntherapeuten bitten, den Lernstand Deines Kindes zu testen und euch bei einem Plan zu unterstützen.
Ich persönlich habe mit einem sehr simplen Plan angefangen, den ich mittlerweile etwas ausgebaut habe und beruflich nutze. Du kannst ihn Dir herunterladen (-> zum Förderplan) und als Vorlage nehmen. Nur Mut. Du kannst nichts falsch machen. Besprich ihn mit dem Lehrer Deines Kindes, oder füllt ihn gemeinsam aus.

 

Dokumentieren

Kinder lernen oft schubweise, und immer wieder kommt es zu diesem Gefühl, das nichts voranginge. Das liegt zum einen daran, dass der Vergleich zu den Klassenkameraden immer „negativ“ ausfällt – Dein Kind lernt eine neue Sache, die Klassenkameraden auch, es ist also immer noch „hintendran“. Dagegen hilft, die eigenen Erfolge sichtbar zu dokumentieren. Ich mache das mit der Bergedorfer Lernblume oder dem Lerndorf. Das hat den Vorteil, dass Du siehst, dass Dein Kind sehr wohl Forschritte macht (die Du Deinem Kind aufzeigen kannst – das ist sehr sehr gut für die Motivation). Ich habe lange nicht nur die kognitiven Fortschritte dokumentiert, sondern auch die vielen kleinen emotionalen.

Der zweite Vorteil des Dokumentierens ist, dass Du den Faden nicht verlierst, weil Du täglich am Thema dran bist.

Intensiver Austausch mit der Schule

Wenn klar ist, dass Dein Kind zuhause eine Zusatzförderung bekommt/ bekommen soll, ist es hoffentlich möglich, dass Du Dich mit der Klassenleitung abstimmst. Dazu ist ein Kommunkationsheft hilfreich. Ich habe dafür den Schuljahresbegleiter aus dem Auerverlag. Das ist im Prinzip ein A4 Hausaufgabenheft, in das ich täglich notiert habe, was ich mit meinem Kind gemacht habe. Dort haben wir auch jeden Erfolg eingetragen wie Antolinpunkte oder eine Urkunde beim Skateboardfahren. Es ist nicht wichtig, dass der Lehrer täglich hineinschaut – aber bei Bedarf können so alle Seiten nachvollziehen was „gerade läuft“.

Wenn es mehr Fragen als Antworten gibt

Wie bringt man Kindern eigentlich den heutigen Schulstoff bei? Nach welchem System sollte mein Kind subtrahieren lernen und welche Schulschrift lernt es eigentlich? Worauf kommt es an? Wie lernt mein Kind flüssig lesen und welche Hilfsmittel gibt es? Was gibt es noch ausser den Standardmaterialen? Was mache ich, wenn ich eine extraportion Motivation benötige? Gibt es auch andere Eltern mit diesen Problemen und wie gehen diese damit um?

Ich habe Erfahrung mit Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf aus dem Autismusspektrum, mit Epilepsie und AD(H)S. Hier findest Du meine -> kostenfreien Angebote, Zugang zur geschlossenen Facebookgruppe (rund um Lernthemen in der Grundschule) und Blogartikel zum Stöbern.

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