Lerntherapie Dr. Dina Beneken

Schularbeiten (Tests) in der Grundschule – 3 Strategien für Eltern und Kinder

von | Jul 1, 2021 | Grundschule, Lernen, Lerntechniken

Wie kann ich mein Kind dabei unterstützen, in der Schularbeit geeignete Strategien anzuwenden, um das Beste aus der Arbeit zu machen?

Sobald das Kind in der Schule ist, geht sie los, die Testschreiberei.

Schularbeiten, Tests, Proben – alles Wörter für Prüfungen, die bereits in der Grundschule auf die Kinder einprasseln. Als Elternteil ist man schnell verunsichert, wie man damit umgehen soll: Auf der einen Seite sollen die Kinder Freude am Lernen haben und irgendwie gar nicht merken, dass sie geprüft werden. Auf der anderen Seite brauchen die Kinder Strategien für die Herangehensweise an schulische Tests und Schularbeiten.

In diesem Artikel gehe ich darauf ein, wie Du Deinem Kind den Druck nimmst oder gar nicht erst entstehen lässt.

Ohne Strategie läuft es nicht

Wer planlos an Tests oder Schularbeiten (Tests) herangeht, kann schnell wertvolle Zeit verlieren.

  • Dein Kind beißt sich an einer Aufgabe fest. Normalerweise freut man sich darüber, im Test selbst ist es dagegen nicht erwünscht, denn die Zeit läuft gnadenlos weiter.
  • Dein Kind schreibt eine sehr ausführliche Antwort zu einer Aufgabe mit 2 Punkten, aber für die 6 Punkte Aufgabe reicht ihm ein Antwortsatz.
  • Dein Kind versteht nicht, dass es bestimmte Fachbegriffe nennen muss, es denkt, eine Umschreibung ist völlig ausreichend.
  • Dein Kind liest immer nur den ersten Satz und legt sofort los, ohne alle Informationen gelesen zu haben.

Die Strategie für erfolgreiche Schularbeiten (Tests) in der Grundschule

Zuerst möchte ich folgenden, leider weit verbreiteten Mythos aus dem Weg räumen:

„Wenn Kind nicht merken, dass sie geprüft werden, verspüren sie keinen Druck.“

Bullshit. Stell Dir vor, Du gehst zu einem ganz normalen Arbeitstag in die Firma. Mittags ruft Dich Dein Chef in sein Büro und teilt Dir mit, er habe Dich heute von 9-10 beobachtet, beschreibt Dir seinen Eindruck in dieser Stunde und gibt Dir einen Feedbackbogen. Vielleicht mit einem Smiley, oder einer Note, oder einer Empfehlung für/gegen eine Gehaltserhöhung.

Grauenhafte Vorstellung, denn wer nicht weiß, dass er geprüft wird, oder es nur ahnt (vielleicht hast Du bemerkt, dass Dein Chef etwas mehr als sonst anwesend war? Dass Du eine komische Aufgabe auf dem Schreibtisch hattest oder einen merkwürdigen „Kunden“ am Telefon?) wird oft kalt erwischt. Das macht kein gutes Gefühl.

Deinem Kind geht es in unangekündigten schriftlichen Schulaufgaben (Tests) nicht anders. Denn selbstverständlich

  • weiß es spätestens nach dem ersten Mal, dass es hier bewertet wird.
  • sind Kinder nicht blöd und können Smileys, Sterne und was weiß ich was sehr wohl als Bewertung einordnen.
  • sind sie genauso geschockt wie Erwachsene, wenn sie einen unangekündigten Test schreiben müssen über etwas, was sie noch nicht können? (Ich bin ja dafür, unangekündigte Leistungsnachweise komplett abzuschaffen. Ich sehe keinerlei Mehrwert darin. Es ist es unfair, unvorbereitet eine Prüfung ablegen zu müssen.)

Nun werden wir an dieser Stelle das System leider nicht ändern können, aber wir können die Kinder darauf vorbereiten.

Vorbereitung auf Schularbeiten (Tests) in der Grundschule, Teil 1: Prüfungen thematisieren und anerkennen.

  • Nix beschönigen: Hier finden Prüfungen statt. Ist nicht gut, ist nicht schlecht, ist einfach so. So zu tun, als wäre das ein Spiel, ist gemein und unfair – das ist es nämlich nicht.
  • Noten (Smileys, Könige, Sternchen) von Anfang an zur Kenntnis nehmen, aber auf keinen Fall den Selbstwert des Kindes daran hängen. Es ist nur ein Feedback. Es ist nicht das Kind. Aus jedem Feedback kann man etwas lernen.
  • Strategien für Prüfungen von Anfang an zur Hand geben: So funktioniert unser Schulsystem. Also lernen wir, wie es geht. Denn: Wer weiß, wie das System tickt, kann es berechnen und zu seinem Vorteil nutzen.

Vorbereitung auf Schularbeiten (Tests) in der Grundschule, Teil 2: Wie schreibt man eigentlich einen Test?

  • Vor der Schularbeit (Test): Prüfungszeitpunkte einkreisen: was wird wann wie geprüft? Das ist für Eltern von Grundschülern der schwierigste Part.
    Praxistipps für Eltern
    • mit anderen Eltern austauschen. Es gibt Kinder, die einen Riecher für Proben haben. Wer diese Kinder/ deren Eltern kennt, sollte sie sich warmhalten. 
    • Die Lehrer fragen: manchmal gibt es beim Elternabend wertvolle Tipps, woran man als Eltern erkennt, das da was kommen könnte. Beispiele:
      • Das Kind hat alle Hefte des Fachs dabei, die normalerweise unter der Bank liegen
      • Die Hausaufgabe lautet: Wiederhole xyz
    • Aufmerksam zu werden lohnt sich in folgenden Situationen:
      • Dein Kind hat mehrmals hintereinander sehr ähnliche Hausaufgaben zum Thema und das Thema wird bereits seit ein paar Wochen behandelt
      • Dein Kind hat eine „allumfassende“ Hausaufgabe auf, die schon sehr in einem „Testformat“ vorliegt
      • Es gab schon länger keinen Test mehr in diesem Fach.
    • Wer Lust hat, erfrage die vorgeschrieben Anzahl schriftlicher Leistungsnachweise am Elternabend und führe Buch. Es gibt auch Testregeln, wie z.b.
      • Testfreie Wochen (meist in der Woche nach den Ferien)
      • Regeln wie: es dürfen nur 2 Tests pro Woche geschrieben werden (!Achtung – das ist überall anders)
      • Denk daran, dass es einen Notenschluss zum Halbjahr / Ganzjahr gibt, meist 2-3 Wochen vor Schuljahresende.

So kannst Du Deine Ahnungen noch etwas genauer datieren, aber es bleibt leider oft ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten.

  • fachliche Vorbereitung: Einen Test zu schreiben kann man üben – und zwar am besten mit Tests. Warum? Damit hast Du mehrere Fliegen mit einer Klappe erledigt.
    • Dein Kind kennt das Format von Anfang an und entwickelt erst gar keine Angst davor.
    • Dein Kind übt, Testfragen zu beantworten. Das ist oft gar nicht so einfach, wie es scheint.
    • Ihr findet zuhause heraus, welcher Teil des Stoffes noch nicht sitzt
    • Es lohnt sich, ein bisschen Geld in entsprechende Bücher (in Bayern empfehle ich gerne die „ultimativen Probenbücher“ aus dem Mamis Verlag. Geheimtipp für Eltern, denn vorne ist jeweils eine Stoffzusammenfassung vorhanden, was laut Lehrplan so Inhalt sein könnte. Unbezahlbar, je nach Qualität der Hefteinträge der Kinder bzw. Ortes, an dem sich das Heft befindet, wenn man es braucht)  zu investieren, alternativ in Portale wie z.b. „Catlux“ oder „EinsundZwei.de„.
      Catlux ist breiter aufgestellt, EinsundZwei.de (früher „Schule mit Erfolg“) für Bayern auf jeden Fall ein guter Anlaufpunkt in den Hauptfächern.

Warum? Wer vorbereitet ist, hat im Test weniger Überraschungen zu meistern und kann gechillt und ohne Panik einfach sein Wissen niederschreiben.

Mit möglichst schulnahen Testformaten kann man auch gleich die Strategien IN DER Schularbeit (im Test) besprechen und üben:

  • In der Schularbeit/ Testsituation selbst
    • Zuerst Namen hinschreiben
    • Textmarker nehmen, Fragen aktiv lesen und immer bis zum Ende. Wichtiges unterstreichen.
    • Du kannst die Frage locker beantworten? Dann tu es.
    • Du hast keine Ahnung was Du schreiben sollst? Mache Dir ein Sternchen an die Frage und gehe zur nächsten Frage weiter.
    • Wenn Du einmal durch bist, schaust Du Dir alle Aufgaben mit Sternchen an.
    • Lies die Aufgabe genau und denke nach. Gib Dir dafür 2 Minuten Zeit. Es gibt Timer, die nur ein Lichtsignal geben. Wenn Du nach 2 Minuten nicht weiterkommst, gehe zur nächsten Aufgabe über.
    • Profitipp: Wenn Du schon geübt bist im Testschreiben: orientiere Dich an der Punktezahl. Welche Aufgabe gibt viele Punkte? Kannst Du versuchen, dort irgendetwas zu schreiben?
    • Wenn Du fertig bist und noch Zeit hast: geh alle Aufgaben noch einmal durch. Kannst Du noch etwas ergänzen?

Besonders der letzte Punkt macht vielen Kindern Schwierigkeiten: Hauptsache, schnell abgegeben.

Abhilfe für Schnell-Abgeber

Das kannst Du auch mit einem Probetest mit Deinem Kind zuhause durchspielen. Lass Dein Kind eine Schularbeit / Test schreiben. Wenn es abgegeben hat, notiere die Uhrzeit.

Dann gib ihm die Restzeit und lass es herausfinden, wie viele Punkte da noch herauskommen. Du kannst ihm ganz gezielte Aufgaben dafür geben:

  • suche Rechtschreibfehler in den Antworten.
  • checke, ob Du Rechenwege angegeben hast.
  • Nimm die Aufgaben, zu denen Du nichts schreiben konntest, und schreibe etwas, was Deiner Meinung nach am besten passen würde.

Vorbereitung auf Schularbeiten (Tests) in der Grundschule, Teil 3: die Nachbesprechung

Fehler sind dafür da, dass man daraus lernt. Nach dem Test ist vor dem Test 😉 Wenn Dein Kind mit dem korrigierten Test nach Hause kommt, nehmt euch ein paar Minuten Zeit und sprecht darüber, wie das Kind den Test erlebt hat. Wo war Dein Kind sicher? Wo hat es Zeit verloren? Was war nicht genug geübt, wo wurde es überrascht, hätte man das ändern können?

Gemeinsam darüber zu sprechen hilft Deinem Kind, selbst Lösungen zu finden, wie es sich das nächste Mal besser vorbereiten kann – oder ob es schon die perfekte Strategie gefunden hat.

Nach der Schulaufgabe/ Test ist vor dem nächsten Test.

Weiterführende Artikel und Videos findest Du hier:

Warum Rechtschreiben üben so zäh ist und was Du mit Deinem Kind tun kannst

Einen Lernplan für Kinder aufstellen

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