Lerntherapie Dr. Dina Beneken

Was hat eine flüssige Handschrift mit der Rechtschreibung zu tun?

von | Jun 5, 2020 | Schreiben - Handschrift, Schreiben - richtig

Dein Kind erzählt Dir eine Geschichte in blumigen Wörtern, voller Dramaturgie und mit großem Einsatz. Aber das, was im Kopf herumschwirrt, aufschreiben? Das Gemecker geht los, die Geschichte wird gekürzt, die Rechtschreibung: eine Katastrophe.

Sobald Dein Kind frei schreibt, vergisst es scheinbar alle Regeln der Rechtschreibung, es scheint unkonzentriert, obwohl es im Wörterdiktat doch alles konnte?

Das Problem ist gut bekannt und hat oft mindestens zwei Wurzeln. Die eine: eine mangelhaft automatisierte Schrift.

Das Problem aussitzen („irgendwann hat das Kind schon genug Übung“) ist langwierig.
Warum ich nicht dazu rate: Wenn Dein Kind Schwierigkeiten mit der Schreibtechnik hat, dann fällt ihm das (ähnlich wie beim Lesen), in fast allen Schulfächern auf die Füße.

Texte von der Tafel abschreiben, Antworten schriftlich formulieren, Texte verfassen – tägliches Brot Deines Kindes.

Da ist es umso wichtiger, dass das Handwerkszeug sitzt. Es lohnt sich, hier bewusst Zeit zu investieren, denn eine automatisierte Handschrift ist wie Fahrradfahren. Einmal gelernt, verlernt man es nicht mehr. Und Schreiben verliert seinen Horror.


3 Probleme, die aus einer krakeligen Schrift entstehen

1) Rechtschreibung mit krakeliger Schrift – angestrengtes Schreiben

Eine Schrift, die auf der Linie tanzt, bei der hier und da Kleckse die Unterbrechung des Schreibflusses anzeigen oder schlicht unleserliche Elemente enthält, ist nicht nur lästig für den Leser, sondern vor allem für den Schreiber.

Kinder mit krakeligen Schriften haben häufig Schwierigkeiten beim Schreiben längerer Texte. Sie haben Schmerzen im Handgelenk oder in den Fingern und empfinden das Schreiben als große Anstrengung. So bleibt die Motivation, auch noch über die Rechtschreibung nachzudenken, auf der Strecke.

2) unverbundene Handschrift und die liebe Zeit

Wenn Dein Kind langsam und stockend schreibt, verliert es wertvolle Zeit und Energie. Es ist jammerschade, wenn die schlauen Gedanken im Kopf Deines Kindes einfach nicht zu Papier kommen – nur weil die Zeit abgelaufen ist.  

3) Keine Kapazitäten für das Wesentliche

Wir schreiben auch, um uns Inhalte zu strukturieren. Wenn Dein Kind lange braucht, um ein Tafelbild zu kopieren, dann hat es am Ende der Stunde lediglich das Tafelbild kopiert. Schreibt es dagegen flüssig, macht es sich während des Schreibens Gedanken zum Thema, kann sich das Thema im Kopf strukturieren und im Gehirn neue Synapsen miteinander verknüpfen. Dein Kind lernt und festigt den Inhalt dann beim Schreiben.

Je älter Dein Kind wird, desto wichtiger wird diese Fähigkeit. Die Tafelbilder werden länger und komplexer. Dein Kind muss lernen, Informationen zu filtern und nur das Wesentliche mitzuschreiben. Dazu ist es extrem wichtig, während des Schreibens auch zuhören zu können. Das geht nur, wenn das Schreiben an sich einfach „läuft“. 

 

Dein Kind kann sich erst dann auf Inhalte oder Rechtschreibung konzentrieren, wenn die Schreibschrift flüssig von der Hand geht. 

Und was hat das mit der Rechtschreibung zu tun?

Im Schreibfluss zu bleiben bedeutet nicht nur, die zu schreibenden Buchstaben „aus dem FF“ zu können, sondern auch, das Wortbild sofort richtig im Kopf parat zu haben. Wenn Dein Kind beim Schreiben stockt, kann das zum einen daran liegen, dass es den Buchstaben nicht schreiben kann und über die Form nachdenkt. Oder dass es das Wort nicht kennt und über die Schreibung nachdenkt.

Beides unterbricht den Schreibfluss. Manchmal muss sich Dein Kind dann unbewusst für etwas entscheiden: Leserliche Schrift ODER Inhalt ODER Rechtschreibung. 

Es genügt dafür nicht, die Rechtschreibregeln zu kennen. Die wenigsten kompetenten Rechtschreiber überlegen bei jedem Wort, wie es warum geschrieben wird. Das ist viel zu anstrengend. Dein Kind benötigt einen Grundwortschatz, den es automatisiert richtig schreibt. Wenn es ein Wort nicht kennt oder unsicher ist, ist es wichtig dass es Regeln kennt und anwenden kann.

    Wie kannst Du Dein Kind dabei unkompliziert unterstützen?

    Das Problem beim Automatisieren will ich Dir nicht schön reden: Es ist lästig. Es bedeutet Arbeit. Es bedeutet Ausdauer zu zeigen und dranzubleiben. Dein Job dabei ist oft der Trainerjob, der durch ständige Motivation und Ermutigung Deinem Kind, dem Sportler, durch diese Phase hilft.

    In der Praxis sehe ich Rechtschreib- und Schrifttrainings häufig an mangelndem Durchhaltevermögen scheitern. Du nimmst Dir zuviel vor, willst alles auf einmal und idealerweise macht Dein Kind diese Aufgaben selbständig, nachdem Du sie ihm auf den Tisch gelegt hast.

    Erwischt?
    Geht mir manchmal genauso. Denn Üben ist auch für uns Erwachsene lästig, vor allem, wenn wir uns als „Antreiber“ fühlen.

    Ich habe ein System entwickelt, mit dem Du mit Deinem Kind gemeinsam am Rechtschreibtraining dranbleibst. Den Kurs selbst begleite ich intensiv mit Mails bzw. stehe für Fragen in der dazugehörigen Gruppe zur Verfügung. Dort ist auch der bekannte Lesekoch, Siegbert Rudolph, dabei und gibt seine Tipps und Erfahrungen zum Thema Rechtschreibung weiter. 

    Und natürlich gibt es eine Lektion, wie Du mit Deinem Kind ganz gezielt flüssig Schreiben trainieren kannst.

    Wenn die Schrift Deines Kindes noch stockt, ist es immer sinnvoll, zuerst die Handschrift flott zu bekommen und sich dann mit voller Konzentration auf die Rechtschreibung zu konzentrieren. 

    Mein Kurs „effektiv die Rechtschreibung trainieren“ deckt die beiden Säulen ab, die Automatisierung benötigen: Eine flüssige Handschrift entwickeln und Wortbilder korrekt abspeichern

    Aber mit Druckschrift schreibe ich doch schneller, Mama!

    Ein gerne gebrachter Einwand von Kindern, und ja, es stimmt: zur Zeit schreibt das Kind wahrscheinlich wirklich schneller, wenn es die Druckschrift nutzt. Warum? Weil es diese zuerst gelernt hat. Natürlich kann man etwas besser, was man schon länger nutzt. Wenn man aber eine flüssige Schreibschrift beherrscht, überholt das in der Regel immer die jetzige Geschwindigkeit der Druckschrift. Eine verbundene Schrift, wenn sie gut trainiert ist, hat sehr viele Vorteile. Das Problem ist meist lediglich die fehlende Übung. 

    Vielleicht hilft Deinem Kind der Vergleich mit neuen Dingen: Man braucht immer ein bisschen Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Ein neues Rennrad fährt schneller, muss aber ganz anders gehandhabt werden als das alte Kinderfahrrad. Es braucht ein bisschen, bis man sich an das andere Gefühl gewöhnt hat. Ähnlich verhält es sich mit einem neuen Tennisschläger oder einem anderen Sportgerät. Aber hier haben wir Vertrauen, dass das tolle neue Gerät am Ende eine Verbesserung bringt. Genauso ist es mit der Handschrift.

    Deswegen empfehle ich bei einem Handschrifttraining: Den Fokus auf die Schrift legen. Für einen Zeitraum von 4-6 Wochen übt Dein Kind nur, seine Handschrift flott zu bekommen, eine individuelle Schrift zu entwickeln, mit der es anstrengungsfrei schreiben kann. Danach kann Dein Kind gerne wieder mit Rechtschreibübungen beginnen – dann sitzt das Fundament.

    Meine Erfahrung ist: es lohnt sich immer. Nach 4-6 Wochen sind die Schreibschriften bzw. die Handschrift des Kindes flüssiger, lesbarer und die Hefteinträge auch zuhause noch nachvollziehbar. Sobald Dein Kind nicht mehr über die Form des Buchstabens nachdenken muss, kann es seine Gedanken in die Geschichte, die es schreibt, stecken. Oder in die Lösung der mathematischen Frage. Oder in die Frage, wie dieses Wort wohl richtig geschrieben wird. 

    Interesse am Rechtschreibkurs? Dann schau gerne auf diese Seite. Dort kannst Du auch entscheiden, ob Du alles auf eigene Faust machen möchtest, oder mit einer Schriftanalyse Deines Kindes von mir und anschließender persönlicher Einweisung ins Schrifttraining  ganz gezielt die Entwicklung einer individuellen, verbundenen Handschrift angehen möchtest.

    Ich biete auch individuelle Schriftanalysen inkl. Trainingsplan für das gezielte Üben zuhause an bzw. für Pädagogen/ Lerntherapeuten einen Workshop „flüssig Schreiben lernen“.