Lerntherapie Dr. Dina Beneken

Schule geschlossen – 5 Tipps zum Thema Kinder zuhause unterrichten

von | Mrz 13, 2020 | Konzentration, Lernen, Motivation

Die Schule ist geschlossen, Dein Kind wird nach Hause geschickt. Große Freude auf Seiten des Kindes und leise Zweifel bei Dir – denn selbstverständlich sollt ihr nun den Schulstoff zuhause bearbeiten.
Ob wegen Corona oder anderen Gründen: Du fragst Dich, wie um alles in der Welt soll das funktionieren?

Zuhause unterrichten – das kann ich nicht! Oder doch?

Als mein Kind im ersten Schuljahr nicht die volle Stundenzahl zur Schule ging, stand ich selbst vor genau dieser Herausforderung. Hausaufgaben zu betreuen ist das eine, aber Lehrer(in) sein? Den ganzen Schultag?

In diesem Blogbeitrag gebe ich Dir meine 5 besten Tipps zum Thema Homeschooling. Mit diesen Tipps haben wir es geschafft, nicht nur irgendwie, sondern sogar mit Erfolg (schulisch und familiär) durch diese Zeit zu kommen.

Wenn Du gerne schrittweise vorgehst, empfehle ich Dir meinen kostenlosen Minikurs „Hausaufgaben ohne Drama“, der immer Montags beginnt. Er dreht sich zwar um die gemeinsamen Hausaufgaben, aber Homeschooling ist nicht viel anders (nur länger 😉 ).

5 Tipps, damit Kinder zuhause unterrichten auch gelingt.

1) Schule geschlossen – sei pragmatisch: was muss, was kann, wo haben wir Gestaltungsspielraum?

Bei Lernvorgaben/ Arbeitsblättern aus der Schule gibt es meist wenig Handlungsspielraum. Oft ist das notwendig, damit ihr einen Nachweis habt, dass dein Kind die Aufgaben erledigt hat.
Darüber kann man diskutieren, ich würde das aber nicht tun, um den Lehrern hier entgegen zu kommen. Außerdem setzen diese Aufgaben einen Rahmen auf, sodass Du Dich nur noch um Details kümmern musst.
Es ist aber auch möglich, dass Du den Lehrer fragst, ob es ok ist, den Stoff auf andere Weise zu üben, wenn Dein Kind streikt.

Trotzdem kannst Du gemeinsam mit Deinem Kind überlegen: was können wir auf unserer Art und Weise angehen (Lernen auf bestimmte Themen, Vokabeln, Lesetraining, Vertiefung von Inhalten)?
Das Vertiefen von Inhalten, wie beispielsweise Kopfrechnen üben, könnt ihr wunderbar mit Regelspielen tun. Auf meinem youtube Kanal findest Du jede Menge Anregungen dafür.

Du wirst feststellen, dass die reine Lernzeit zuhause viel kürzer ist, als die Zeit, die Dein Kind dafür normalerweise in der Schule verbringt. Diese Zeit könnt ihr nutzen, um über den Tellerrand zu sehen: 
mit spannenden Reportagen, virtuellen Rundgängen durch passende Museen, Lernen mit digitalen Medien und vielen anderen Ideen. 

2) Kinder zuhause unterrichten und nebenbei das eigene Arbeitspensum managen

Der Schulausfall bedeutet nicht nur schulfrei und lernen für die einen, sondern auch im Homeoffice arbeiten und produktiv sein müssen für die Eltern. Und dann vielleicht noch ein Geschwisterkind, dass nicht Lernen muss aber nicht ausgelastet ist.

Hier hilft eine klare Struktur für die ganze Familie. Wann ist Lernzeit? Kann man die Lernzeit sinnvoll mit Arbeitszeit verbinden? Eine Möglichkeit wäre:

  • Alle, die arbeiten/ lernen müssen, bekommen einen Raum dafür. Hier herrscht Ruhe (für Fragen darf natürlich unterbrochen werden) und Konzentration.
  • Plane für Deine Arbeitszeit abhängig von den Lernbedürfnissen Deines Kindes. Wenn abzusehen ist, dass Du nicht viel Denkarbeit leisten können wirst, während Dein Kind seine Matheblätter bearbeitet, lege Dir in diese Zeit nur Aufgaben hinein, die Du auch mit vielen Unterbrechungen abarbeiten kannst.
  • Aufgaben, für die Du Zeit brauchst, kannst Du beispielsweise in einer Zeit legen, in der Dein Kind eine Reportage zu einem schulischen Thema sieht. Auch Du darfst Kopfhörer nutzen, um Dich von Lärm abzuschirmen.
  • Vorschulkinder können durchaus auch schon eine gewisse Zeit am Tisch ruhig mitarbeiten.
  • Babys oder Kleinkinder geben naturgemäß den Rhythmus vor. Die Erfahrung zeigt, dass es für Dich einfacher ist, ihren Rhythmus zu akzeptieren als gegen ihn zu arbeiten. Wann schläft das Kind? Nutze diese Phasen für Arbeiten, die Stille erfordern. Wann ist es sehr aktiv? Dann überlege, wie Du Spiele mit den größeren Kindern und den kleinen verbinden kannst.
  • Auch hier hilft eine klare Tagesstruktur. Vielleicht kann Dein großes Kind auch 30 Minuten alleine arbeiten, während Du ihm den Service bietest, das Kleine zu beschäftigen.

Meine sehr geschätzte Kollegin und Montessoripädagogin Ilse Lechner und ich haben zu diesem Thema übrigens einen Special-Talk aufgenommen. Du findest ihn hier.

3) Einen Plan machen!

Hier beginnt der Spaß. Wahrscheinlich hast Du einen Arbeitsplan von der Schule bekommen. Diese Aufgaben übertragt ihr auf Post-it Zettel. Jede abgeschlossene Aufgabe 1 Zettel.
Den Zettel klebt ihr an euer Hausaufgabenboard. Das kann beispielsweise das Fenster sein oder eine Schrankwand. 

Dein Kind holt sich eine Aufgabe vom Board, bearbeitet sie und wenn sie abgeschlossen ist, holt es die nächste. So schmilzt der „ToDo“ Stapel nach und nach ab.

 

4) Lehrer sein? Wer? Ich? Ich bin doch nur die Mutter!

Wenn es darum geht, dass Kinder Umgangsformen, Radfahren oder Schwimmen, den Umgang mit der Bohrmaschine oder dem Herd lernen sollen, haben Eltern selten Bedenken, dass sie nicht „qualifiziert“ genug sein könnten. Selbstverständlich bringst Du Deinem Kind diese Dinge bei und selbstverständlich bist Du dabei ein guter Lehrer.

Und ja, das geht mit Lesen, Schreiben und Rechnen und dem anderen Schulkram natürlich auch.
Dein Kind lernt zum größten Teil, wegen der Beziehung zum Lernpartner. Die Lernbeziehung ist die Basis von allem. Du kennst Dein Kind am Besten, wer sollte also besser qualifiziert sein, mit Deinem Kind zu lernen, als Du?

„Aber was tun, wenn ich gar nicht weiß, wie ich das didaktisch am Besten erkläre?“
Das ist normal. Niemand kann alles wissen. Eine sehr gute Erfahrung für Dein Kind! „Eltern wissen auch nicht alles, das ist nicht schlimm, sie machen dann dies oder jenes um herauszufinden, wie es geht!“

Was kann Deinem Kind Besseres passieren? Wenn Du Fragen zu Deinem „Homeschooling“ hast, bist Du nicht alleine! Komm  gerne in meine Facebookgruppe „Eltern lernen mit ihren Kindern“ – dort bin ich regelmäßig und helfe Dir, wenn Du nicht weiterkommst.

5) Regenerationszeiten/ Konzentrationsphasen berücksichtigen

Die Konzentrationsspanne eines normal entwickelten Kindes im Grundschulalter wird in der Literatur zwischen 15 und 20 Minuten angegeben. 

Also: nach 15-20 Minuten ist „der Tank leer“. Da hilft es auch nicht (um bei diesem Bild zu bleiben), das Auto mit dem leeren Tank augenrollend anzusehen und zu sagen „jetzt fahr doch einfach, wir sind ja bald da“.

Wir können uns nur entscheiden …

  • es zu schieben (das kostet uns aber ebenfalls eine Menge Energie und wenn man das Bild überträgt, wird es dem Kind nicht wirklich etwas bringen. Wir erledigen seine Arbeit, aber ist ihm damit geholfen?)
  • oder ihm genügend Energie, in geeigneter Form zukommen zu lassen. 

Tank auffüllen durch Energiezufuhr

Was ist nun „Energie in geeigneter Form“, um Deinem Nachwuchs wieder Konzentration zu ermöglichen?

  • Bewegung
  • Schlaf
  • Spiel
  • eine PAUSE

Hilft alles nix: Mein Kind kann sich nicht konzentrieren, Dina. Was soll ich nur tun?

Wenn Du beim gemeinsamen Lernen feststellst, dass Dein Kind sich auch in diesem zeitlichen Rahmen nicht konzentrieren kann, gilt es, genau hinzusehen.

Ist Dein Kind ständig abgelenkt und kommt bei keiner Aufgabe so richtig in die Konzentration? Dann hat es eventuell noch nicht alle Lernkompetenzen (Selbstorganisation, Selbstmotivation, Konzentrationsfähigkeit … ) verinnerlicht oder gelernt anzuwenden.
Warum schreibe ich das hier?
Weil Du jetzt eine ganz fantastische, einmalige Möglichkeit hast: Mit Deinem Kind das Lernen zu lernen.
Dadurch, dass Du Dein Kind nun täglich um Dich hast und es genau beim Arbeiten beobachten kannst, kannst Du ganz wunderbar, sanft steuernd, eingreifen. So lernt Dein Kind Schritt-für-Schritt, wie es endlich erfolgreich lernt (und das dann auch in der Schule anwendet).

Die zweite Ursache für mangelnde Konzentrationsfähigkeit ist, dass Dein Kind Schwierigkeiten mit den Grundlagen eines Faches hat. Das merkst Du daran, dass es beispielsweise alle Aufgaben gezielt angeht, aber in einem Fach Schwierigkeiten mit der Konzentration hat – oder bei bestimmten Aufgaben, die eine Fähigkeit erfordern, die noch nicht automatisiert ist.
Bei diesem Problem hilft Dir eine Lernstandsanalyse weiter.

Zum Schluss verrate ich dir noch meine 3 Geheimtipps für gelingendes Lernen:

1) Positiv beginnen und positiv Aufhören. Das geht am einfachsten mit einem kurzen Spiel, wie z.b. Dobble oder Uno. Denn das Gehirn merkt sich immer den Anfang und das Ende.
2) Aufhören, wenn es am Schönsten ist (und nicht weitermachen, weil es gerade so gut läuft. Endet meistens darin, dass einer heult.)
3) Mitbestimmung zulassen. Je mehr Dein Kind selbst steuern kann, je ernster Du seine Bedürfnisse nimmst, desto bereitwilliger wird es seine Aufgaben erledigen.

Homeschooling ist eine echte Chance, gemeinsam eine positive Lernkultur zu entwickelnEs ist auch eine echte Chance herauszufinden, wo Dein Kind steht und wo es sich noch schwer tut.
Und ihr habt die unbezahlbare Möglichkeit, gemeinsam herauszufinden, wie Lernen gelingen kann.

Gebt Euch Zeit, um Euch an die neue Situation zu gewöhnen. Erwartet nicht alles auf einmal. Ihr werdet gemeinsam an dieser Herausforderung wachsen, das verspreche ich Dir.

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