Lerntherapie Dr. Dina Beneken

(Verdacht auf) Legasthenie oder Dyskalkulie: Braucht mein Kind eine Diagnose?

„mein Kind hat Probleme mit dem Schreiben (Lesen, Rechnen…) – vielleicht hat es Legasthenie (Dyskalkulie) – braucht es eine Diagnose?“. Dies war das Thema der letzten Lernkompetenzbriefe. Ich habe es als Blogbeitrag verfügbar gemacht, da diese Frage wirklich häufig auftaucht.

Eines vorweg: das Wort „Diagnose“ impliziert es handele sich um eine Krankheit. Alleine dies ist schon so ungeheuerlich, dass man die Diskussion an dieser Stelle beenden möchte. Denn in der Regel handelt es sich um Kinder, die schlicht und ergreifend mehr Schwierigkeiten als andere haben, wenn es um das schulische Basiswissen geht. 

Das ist keine Krankheit des Kindes, sondern eine des Bildungssystems. 

Es ist schon ziemlich krank, dass Kinder eine Diagnose benötigen, um Lesen, Schreiben oder Rechnen lernen zu dürfen. In ihrem Tempo, denn das ist meist das einzige Problem – die brauchen ein bisschen länger dafür als andere. 

Dennoch ist es leider Realität, dass Kinder, die langsam und stockend lesen oder schreiben – oder Mathematik nicht so schnell begreifen – keine Förderung in der Schule bekommen, sondern eine Lerntherapie empfohlen wird. Ich gehe auf diesen Aspekt nicht weiter an, denn das würde den Rahmen sprengen (und auch nichts am System an sich ändern, leider). 
Ich konzentriere mich darauf, was Deinem Kind jetzt hilft.

1) Was bedeutet die Diagnose „Legasthenie“?


Eine Diagnose bedeutet erst einmal, dass Dein Kind offiziell getestet werden muss. Das Ergebnis: Du bekommst einen Brief, in dem steht, dass Dein Kind einen bestimmten Prozentsatz schlechter ist, als eine Vergleichsgruppe, und damit zum Personenkreis der Legastheniker gehört.

Mit dieser Diagnose sind folgende Dinge möglich:
– Nachteilsausgleich (wird individuell festgelegt – z.b. mehr Zeit in Proben)
– Notenschutz (steht auch im Zeugnis – Verzicht auf Bewertung der Rechtschreibung)
– Wenn das Gutachten eine Bedrohung einer seelischen Behinderung bescheinigt kann nach §35a ein Antrag auf Kostenübernahme für die Lerntherapie gestellt werden.


2) Hilft meinem Kind eine Diagnose?

Ja, wenn:
– Dein Kind unter der Benotung leidet
– eine Lerntherapie aus finanziellen Gründen nicht möglich ist
– wenn die Schule Deinem Kind nur mit Diagnose hilft

nein, wenn:
– Du wissen möchtest, wo Dein Kind gerade steht und welche Hilfe es jetzt braucht
– wenn Dein Kind nicht besonders bewertet werden möchte (es gibt Kinder, die einen Nachteilsausgleich verweigern, weil es sie besonders herausstellt oder aus anderen Gründen)
– Dein Kind nicht „genug leidet“ und deswegen nicht unter den §35a fällt und somit die Lerntherapie nicht gezahlt wird.
– Du Deinem Kind jetzt helfen möchtest. Diagnosen dauern mitunter mehrere Monate, die ungenutzt ins Land streichen.

Manche Kinder nehmen diese Diagnose so sehr an, dass sie aufgeben und nichts mehr tun, weil „sie ja sowieso Legastheniker sind“. 

3) Was braucht mein Kind wirklich?

Je früher Deinem Kind mit schulischen Schwierigkeiten geholfen wird, desto schneller kann Dein Kind aufholen.  Eine Diagnose kann hilfreich sein (s.o), ist aber nicht entscheidend.

Entscheidend ist, dass Dein Kind das lernen kann, was es bisher verpasst hat. Hier ist der Weg ganz klar:

  • Lernstand analysieren. Wo steht Dein Kind im Lesen, Schreiben oder Rechnen? Hat es die Vorläuferfähigkeiten ausreichend verinnerlicht? Was kann es gut?
  • Aufgrund dieser Analyse einen Lernplan aufstellen lassen und
  • Den Lernplan sozusagen abarbeiten.

Die einen gehen dafür lieber in die Lerntherapie, oder wie ich es lieber nenne, ins Lerntraining. Andere Kinder und Eltern ziehen es vor, zuhause nach Anleitung zu üben. Wenn Dein Kind Glück hat, arbeiten Schule, Elternhaus und Lerntherapie Hand in Hand.

Ich betreue in meiner Praxis einige Kinder ohne Diagnosen. Das ist möglich, weil mich Eltern frühzeitig ins Boot holen und wir so schnell und effektiv eingreifen können. In der Regel üben die Kinder dann ganz gezielt an einem Thema: Lesefähigkeit, Handschrift, Rechtschreibung oder Mathematik. Meine Erfahrung ist, dass gerade Kinder, die das Glück haben, von ihren Eltern zuhause unterstützt zu werden, schnelle und sichtbare Lernerfolge haben, die sie oft weiter beflügeln. 

Dein Kind braucht einen verlässlichen Lernpartner, der weiß, was er tut. 

Eine Diagnose kann zusätzlich unter bestimmten Umständen unterstützen, ist aber für Dein Kind erst einmal am wenigsten relevant.

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